Bei meinen Streifzügen durchs Internet bin ich gelegentlich immer auf der Suche nach Anregungen für neue Artikel, doch was mich heute Morgen erwartete, hätte ich im ersten Moment nicht für möglichen Stoff für ein neues Posting gehalten.

Da berichtet doch eines der größten deutschsprachigen Internet- und Nachrichten-Portale, T-Online.de, davon, dass die ARD-Tagesschausprecherin Judith Rakers fortan mit Brille moderieren wird.

Ich bin mir sicher, dass an dieser Stelle jetzt auch Viele sofort denken „Oh Mann, wen interessiert denn sowas?“ – Ja, das hatten sich auch eigentlich alle User gedacht, die diesen Artikel auf T-Online.de gelesen und auch kommentiert hatten… – jeder dachte sich (zumindest im ersten Moment) wohl, dass sich T-Online.de mit diesem Artikel wohl kräftig vergriffen, ja sogar blamiert hat, doch tat das Portal dies wirklich?

Doch was hat das jetzt bitteschön mit Internetmarketing zu tun?

Das sage ich Ihnen gerne, denn ich hatte mir den Artikel und vor allem die dazugehörigen Kommentare einmal etwas genauer angeschaut und stellte sofort fest, dass T-Online.de sein Ziel mehr als erreicht hatte und ganz nebenbei noch ein zusätzliches „Phänomen“ zu beobachten war, welches auch für ein erfolgreiches (Internet-) Marketing von großer Bedeutung ist…

Woraus lässt sich also schließen, dass (auch) eigentlich ausschließlich alle User, die zumindest den Artikel kommentiert hatten, den selbigen so „unnötig“, „unsinnig“ und „sch****“ fanden (alles Zitate!)? Und hat sich das Portal wirklich blamiert?

Blamiert und vergriffen oder cleveres Marketing?

Insgesamt gab es zu dem Artikel 41 Kommentare, das Hinzufügen neuer Kommentare ist zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht mehr möglich, da durch den Moderator geschlossen. Aber immerhin gibt es 41 Kommentare und wirklich (fast) ausnahmslos alle Kommentare sind inhaltlich bzw. vom Sinn her vollkommen gleich, denn alle User, die kommentiert hatten, schreiben negativ über den Artikel.

Kommentare wie die folgenden zeigen dies deutlich:

„Probleme müssen wir haben… Wie kann eine solche Nachricht überhaupt veröffentlicht werden?…“

„Wieso ist dies bloß eine Nachricht wert, wenn eine Frau plötzlich Brille trägt?“

„Wer will das wissen?“

„…habt ihr eigentlich keine anderen Sorgen?“

Ja, wäre die Kommentarfunktion vom Moderator des Artikels nicht geschlossen worden, wären vermutlich noch hunderte solcher Kommentare herein geflattert, die zu zeigen scheinen, dass sich der Autor dieses Artikels und somit auch das Portal gründlich vergriffen oder sogar blamiert hat. Doch hat er das wirklich?

Aus Marketing-Sicht nicht wirklich, denn das Portal hat im Prinzip genau das erreicht, was es wollte: Es hat Aufsehen erregt und durch die zahlreichen Kommentare sehr wichtigen Content erhalten und generiert – oder besser gesagt, generieren lassen!

Und so macht es das Portal im Prinzip mit sehr vielen Artikeln und da ist es bei weitem nicht das einzige: Es provoziert , sorgt so für Aufmerksamkeit und gewinnt durch zahlreiche Kommentare (mehr oder weniger guten) Content, der extrem wichtig für Suchmaschinen und das dortige Ranking ist. Vor allem die Masse macht es hier, nicht unbedingt der einzelne Artikel, aber es ist effektiv.

Welcher Effekt ist zusätzlich zu beobachten?

Es gibt aber noch einen kleinen aber feinen (Neben-) Effekt, der zusätzlich zu beobachten war/ist: Denn wenn man die Kommentar-Historie verfolgt und beim ersten Kommentar beginnt, so kann man sofort feststellen, dass dieser bereits eher negativ ist und  mit einem kleinen Seitenhieb ausgestattet ist.

Der zweite Kommentar bringt es bereits auf den Punkt und so zieht es sich durch die gesamte Kommentar-Historie. Durchweg alle Kommentare sind negativ und machen deutlich, dass zumindest die Kommentatoren den Artikel allesamt für klaren Unsinn und Mist halten – oder zu halten scheinen! Ich kann beim besten Willen nicht einen einzigen Kommentar entdecken, der wirklich ernstzunehmend positiv vom Artikel spricht oder diesen gar für sinnvoll und notwendig hält.

Ok., über Sinn und Zweck eines solchen Artikels bzw. dessen Inhalts lässt sich in der Tat streiten (über manche Kommentare sicherlich auch), doch Fakt ist nun mal, dass sich hier in diesem Fall praktisch eine einzige Meinung festgesetzt und etabliert hat – von Beginn an!

Warum schreibe ich, dass es die Meinung aller zu sein scheint? Nun, ich bin mir fast zu 100% sicher, dass, wenn der Artikel in den ersten Kommentaren durchweg auf positives Feedback gestoßen wäre, zumindest die Mehrzahl an Kommentaren dieses auch gewesen wären und sich dann ein ganz anderes Bild ergeben hätte.

Es wäre plötzlich der tollste und sinnvollste sowie lustigste Artikel gewesen, der an diesem Tage dort veröffentlich gewesen war. Was zeigt uns das? Hier hat das vor allem im Marketing-Bereich so entscheidende und wichtige, weil so effektive, Prinzip der Sozialen Bewährtheit zugeschlagen!

Das Phänomen bei dieser Sache ist, dass der Mensch im allgemeinen doch sehr einfach tickt und meist aus purer Unsicherheit oder auch Gruppenzwang sowie mangelndem Selbstwertgefühl den einfachen und für ihn in diesem Moment sichersten Weg wählt und sich der Meinung „Vieler“ bzw. der Mehrheit einfach anschließt – selbst dann oftmals, wenn diese Meinung einfach falsch ist (muss bei dem o.g. Artikel nicht zwangsläufig so sein ;-))!

Ein sehr gutes Beispiel sind die in Comedy-Sendungen und Serien immer wieder auftauchenden Lachsalven. Hintergrundlachen bei witzigen Serien oder jenen, die es zumindest sein sollen. Sie sollen dem Zuschauer an gewissen Stellen deutlich machen „Hier musst du jetzt lachen“ – und weil jeder lacht, lacht dieser i.d.R. eben mit, ob witzig oder nicht.

Diese Lachsalven haben sich ins Hirn des typischen Zuschauers mittlerweile schon so eingebrannt, dass diese schon absolut normal sind und es eher sogar auffallen würde, wenn diese nicht kommen. Und hier ist der Gegenpol dazu: Kommt eine Szene, die der Einzelne in diesem Fall sehr lustig fände, aber die Lachsalve bleibt – aus welchem Grund auch immer – unerwartet weg, dann ist nicht selten zu beobachten, dass ich Derjenige „Lacher“ eher zurückhält, denn würde er jetzt lachen, dann könnte es peinlich werden…

Ein weiteres Beispiel, wie dieses Prinzip der Sozialen Bewährtheit funktioniert, zeigt das folgende Bild schön, welches die Anziehungskraft dieses Prinzips verdeutlicht, die hierbei ebenfalls herrscht:

Da muss doch etwas sein!? Wer kann sich dem Sog der Masse entziehen?

Da muss doch etwas sein!? Wer kann sich dem Sog der Masse entziehen?
© Punch/Rothco – aus dem Buch „Die Psychologie des Überzeugens“ von Robert B. Cialdini

Und sehr ähnlich wie bei den Lachsalven, ist es eben auch mit diesen Kommentaren. Sind die ersten 3,4 oder 5 Kommentare zu diesem Artikel mal negativ, so ist es für die folgenden Kommentatoren meist schon recht wackelig sich zu entscheiden.

Findet man den Artikel doch eigentlich gar nicht so „unnötig“ und „sinnlos“, könnte man sich jedoch mit einer anderen Meinung jetzt eher blamieren. Also wählt man meist den einfacheren und bequemeren Weg und lässt das Kommentieren entweder ganz sein oder schließt sich einfach der bereits etablierten Meinung an.

Letzteres war hier in diesem Beispiel der Fall, weil es bereits durch die ersten Kommentare gesteuert wurde. Hinzustoßende und kommentier willige User fanden bereits eine etablierte Meinung vor, die so häufig vertreten war, dass sich dann bei nicht wenigen die Frage stellte:

„Könnte vielleicht doch etwas dran sein an dieser Meinung und liege ich mit meiner vielleicht doch (als Einziger) falsch?“

Sicherlich steckt hinter den dann weiter folgenden negativen Kommentaren auch ein Stück „Sensationslust“ der User, die sich hier fast schon aufgefordert sahen, sich jetzt negativ zu beteiligen. Konnte man doch hier mal einem „Großen“ scheinbar so richtig zeigen, wo der Hammer hängt und vergaß, dass gerade dies – ob im positiven oder negativen Sinne – genau so beabsichtigt worden war oder zumindest gewesen zu sein schien! 😉

Das Prinzip der Sozialen Bewährtheit und dessen Auswirklungen und Anwendungsmöglichkeiten im (Internet-) Marketing und der damit verbundene (verkaufs-) psychische Effekt der daraus resultiert beschreibt der Autor Robert B. Cialdini in seinem Werk „Die Psychologie des Überzeugens“ ausführlich neben zahlreichen weiteren Aspekten des Verkaufens und welche große Rolle die Psychologie hier spielt.

Robert B. Cialdini, Professor für Psychologie an der Arizona State University schildert extrem offen, umfangreich und dennoch in ganz einfacher und verständlicher Sprache genau diese Trigger und liefert „Die Psychologie des Überzeugens“ ein Lehrbuch für alle, die Ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen wollen – oder eben selbst einmal endlich zum eigenen Verkaufserfolg zu kommen.

Ich selbst habe dieses Buch gelesen, nein verschlungen und kann es ausnahmslos und 100% empfehlen. Wenn Sie also Interesse haben, sich selbst einmal in diese wirklich absolut interessante und verblüffende Materie einzulesen und einzuarbeiten, dann kann ich Sie nur dazu animieren, dieses einmalige Werk zu lesen.

» Hier gelangen Sie direkt zum Buch “Die Psychologie des Überzeugens”…


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