Die Großen der Branche werden jetzt schmutzig
Foto: © Gerd Altmann/graphicxtras / pixelio.de

In einem meiner letzten Artikel bin ich auf das datenschutzrechtliche Problem einiger Social Media-Plattformen und Dienstleistungen eingegangen. Darunter auch das langsam schon nervige Problem von Facebooks Like-Button und dass dieser gegen das deutsche Datenschutzgesetz verstoße und Webmaster, die diesen einbinden in Ihren Blog oder auf Ihrer Website vermutlich mit einer Abmahnwelle rechnen müssten.

Wie das Business-Portal Perspektive-Mittelstand vor einiger Zeit berichtete, hat das Landesgericht Berlin in seinem jüngsten Urteil festgestellt, dass die Verwendung des Facebook Like-Button (auch Gefällt-Mir-Button) kein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstößt!

Das bedeutet zwar nicht, dass auch alle datenschutzrechtliche Bedenken ausgeräumt sind, die Nutzung bzw. Einbindung des Buttons wettbewerbsrechtlich jedoch weiterhin neutral bleibt, sodass man als Webmaster wohl eher nicht Gefahr läuft abgemahnt zu werden.

Bußgelder wegen Verstoßes gegen die Datenschutzrichtlinien sind zwar immer noch möglich, sind jedoch nicht abmahnwürdig. Prompt sind solche Meldungen raus scheinen Google und Twitter ihre bereits länger geplanten Buttons auf den „Markt“ zu schmeißen.

Das entfacht den ewigen Konkurrenzkampf der Internet-Giganten scheinbar weiter an. Ist das mit ein Grund für Facebooks schmutzige, aber peinliche (da gescheiterte), PR-Kampagne gegen Google? Und hat die Schlammschlacht der Großen begonnen?

Like-Buttons: Google und Twitter ziehen nach

Sowohl Twitter, als auch Google haben jeweils ca. zum Monatswechseln Mai/Juni ihre eigenen sog. „Like“-Button herausgebracht. Während Twitter einen eigenen Follow-Button brachte, der es zum Beispiel Lesern eines Blog erlaubt, dem Webmaster oder Blogger per Knopfdruck sofort zu folgen, lehnt sich die Funktion von Googles sog. +1-Button schon eher an den Facebook Like-Button an.

Wie auch Facebooks Button, erlaubt der Google +1-Button den Lesern einer Website, einen Artikel oder die gesamte Website zu bewerten. Das bedeutet, dass ein Leser, dem etwas besonders gut gefällt, dies so zum Ausdruck zu bringen.

Inwiefern sich diese Buttons wirklich vor allem in Blogs durchsetzen werden und was sie letztlich bringen, wird sich in Zukunft zeigen, jedoch werden schon erste Stimmen von Testern laut, die davon berichten, dass vor allem der Google-Button ein echter Performance-Killer ist, weshalb Websites und Blogs dadurch deutlich spürbar langsamer aufgebaut werden.

Sollten sich diese Eindrücke im Mittel bestätigen und Google daran nichts ändern (können), wird der Button wohl schneller wieder weg sein, als er kam. Natürlich lässt vermuten, dass Google seinen eigenen Button nicht aus reiner Nächstenliebe eingeführt hat, sondern auch dazu, seine Suche damit weiter zu verbessern und zielgerichteter präsentieren zu können.

Angesichts dessen, höre ich jetzt schon wieder einige (selbsternannte) Datenschützer scheiben. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Ganze auch hier entwickelt. Insgesamt wird das Thema Facebook-Like-Button und jetzt auch die beiden Buttons von Google und Twitter die Internet-Welt sicherlich noch sehr lange beschäftigen.

Soll Googles +1-Button den Pagerank ersetzen?

In einem Artikel auf zweidoteins.de berichtete vor einiger Zeit der Blogger Christian Süllhöfer davon, wie er bemerkte, dass ein Artikel, dem er zuvor ein +1 spendiert hatte, danach in seinen Suchergebnissen ganz oben stand.

Dass Google schon länger vor hat, seine Suche sehr viel stärker zu personalisieren, das ist eigentlich nichts Neues, was auch Christian in seinem Artikel anmerkt. Er wirft in diesem Zusammenhang auch die Frage aus, ob der neue Google-Button vielleicht sogar generell die Suchergebnisse beeinflusst und ob sich SEOs in Zukunft ganz neuen Herausforderungen stellen müssen.

Auch den Rankingfaktor an sich spricht er in seinem Artikel an und es stellt sich auch hier die etwas waghalsige und provokante Frage: Hat Google sogar vor, mit dem +1-Button langfristig den Pagerank zu ersetzen?

Es wird schmutzig: Facebooks PR-Flop!

Gerade die Tatsache, dass nun vor allem auch Google einen sehr ähnlichen Button wie Facebook brachte, könnte den Kessel nun zum Überlaufen gebracht haben bzgl. des schon seit eh und je laufenden Zwists zwischen den Internet-Giganten Facebook und Google.

Dass vor allem Google schon länger fürchtet, seine alleinige Vormachtstellung zumindest in Teilbereichen an Facebook zu verlieren, ist nichts Neues. Dass aber auch Facebook zu allen erdenklichen Mittel zu greifen bereit ist, zeigte die vor einiger Zeit recht schmutzige, aber erfolglose und dadurch sehr peinliche PR-Kampagne von Facebook gegen Konkurrent Google:

Mit einer gezielten Kampagne gegen Google hoffte Facebook, seinen ärgsten Konkurrenten Google durch schmutzige Verleumdungen schlichtweg schlecht zu machen. Mit Hilfe der PR-Agentur Burson-Marsteller, versuchte Facebook den Suchmaschinen-Giganten mit gezielten Ruf schädigenden Artikeln zu schaden.

Wie ebenfalls Perspektive-Mittelstand berichtete, schrieb man dabei gezielt (größere und bekanntere) Blogger an, die auf ihren Blogs schlecht über Google berichten sollten. Besonders sollte dort laut einem Artikel von ORF.at deutlich gemacht werden, dass Google die Privatsphäre seiner Nutzer verletzte – hier sollte Facebook vielleicht erst einmal vor der eigenen Türe kehren!?

Insgesamt ist und war so etwas natürlich eine gewagte Sache, denn woher will man wissen, dass das überall und bei jedem zieht und ankommt? Und genau hier schnitt sich Facebook letztlich selbst ins eigene Fleisch: Ein Blogger, den die PR-Firma angesprochen hatte, erkannte, wer und was dahinter steckt und veröffentlichte prompt den gesamten Email-Verkehr – dumm gelaufen Facebook und sehr peinlich!

Da stellt sich die Frage, ob das nur die Spitze des Eisbergs war oder ob man sich in Zukunft darauf einstellen muss/kann, dass sich die Internet-Giganten unter einander einen Cyber-Krieg liefern und dabei vor richtig schmutzigen Aktionen und Kampagnen wohl auch nicht zurückschrecken.

Weiter darf man ganz sicher auch die Frage stellen, ob man es gerade angesichts dieses Vorfalls aus dem Hause Facebook wirklich nötig hat, solche Geschütze aufzufahren – oder steckt vermutlich doch sehr viel mehr dahinter?


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