Vor gut 2 Wochen traten die neuen Nutzungsbedingungen auf Facebook endgültig in Kraft, nachdem diese zuvor (und auch bis heute) scharf kritisiert wurden, sodass es letztlich sogar zu einer Abstimmung durch die Nutzer kam.

Harsche Kritik an den Nutzungsbedingungen, die u.a. vorsehen, Nutzerdaten zum einen noch länger zu speichern und zum anderen diese noch weitreichender selbst verarbeiten zu können, kam vor allem von Seiten der Datenschützer, aber diesmal auch verstärkt von vielen Nutzern auf Facebook.

Facebook – wie Social Media im Allgemeinen – gilt weitreichend als absolute Waffe, wenn es darum geht, vor allem geschäftlich neue Kontakte und Kunden zu gewinnen. Ein Reichweite von derzeit über 900 Millionen (!) Nutzern weltweit lässt kaum einen anderen Entschluss zu.

Dass die neuen Nutzungsrichtlinien von Facebook jedoch letztlich trotz aller Gegenstimmen und massiven Proteste doch in Kraft treten konnten und besonders das Ergebnis der Abstimmung wirft jedoch die Frage in den Raum, ob Facebooks Nutzer wirklich so aktiv sind, wie es scheint – wenn es drauf ankommt…

Nutzer-Abstimmung ist eine Farce: Pseudo-Nutzer-Mitbestimmung!?

Nachdem sich schon bei der Präsentation des ersten Entwurfs zur Änderung der Nutzungsbedingungen von Facebook massive Proteste bemerkbar machten, kam es dann zwischen dem 01.06. und dem 08.06.2012 auf Facebook selbst zu einer Abstimmung, in der die Nutzer selbst darüber abstimmen konnten, ob die neuen Richtlinien letztlich eingeführt werden sollen oder eben nicht.

Wie das Online-Portal Golem schon während der Abstimmung berichtete, war diese als demokratisch und nutzerbeteiligend angepriesene Abstimmung wohl doch nicht so demokratisch, wie angekündigt. Das Portal bezog sich dabei u.a. auf die österreichische Initiative Europe-v-facebook.org.

Darin warf man Facebook u.a. vor, die Wahlurne absichtlich gewissermaßen „versteckt“ zu haben und dadurch den Nutzern die Abstimmung maßgeblich erschwert zu haben, da man natürlich ein Ergebnis erwartet hatte, das im Endeffekt die neuen Richtlinien nicht möglich gemacht hätte.

In der Tat war der Link zur Abstimmung wohl nur schwer ersichtlich und dadurch ein wenig versteckt, doch hat am letztlichen Scheitern dieser Abstimmung wirklich nur Facebook Schuld oder sind die Nutzer einfach zu bequem?

Abstimmung gescheitert: Nur lächerliche 0,04% Wahlbeteiligung

Wie zu erahnen ist, war die Abstimmung, die am 08.06. endete, letztlich gescheitert. Doch nicht aufgrund einer Abstimmung für die neuen Richtlinien, sondern aufgrund der lächerlich geringen Wahlbeteiligung:

Facebook hatte es den Nutzern in der Tat nicht leicht gemacht und so war es Bedingung für die Nichteinführung der neuen Nutzungsrichtlinien, dass mindestens 30% aller weltweiten Facebook-Nutzer für die alten und damit gegen die neuen Richtlinien abstimmen müssten.

Während 30% erst einmal nach nicht viel klingt, sind dies jedoch immerhin 270 Millionen Nutzer. Wohl gemerkt sollten 30% aller Nutzer für die alten Richtlinien stimmen und nicht etwa 30% der wählenden Nutzer!

Das bedeutet, dass selbst bei einem sehr unwahrscheinlichen Wahlergebnis von 100% für die alten Richtlinien (= 270 Millionen) eine Wahlbeteiligung von 30% hätte erfolgen müssen. Im Endeffekt jedoch lag diese gerade einmal bei wirklich lächerlichen 0,04%, was einer Wahlbeteiligung von 342.632 Facebook-Nutzern entspricht.

Ganz abgesehen davon, dass bei dieser Abstimmung in der Tat einige ziemlich komische Hürden zu bewältigen waren, können diese nicht so groß gewesen sein, um eine Abstimmung zu verhindern.

Diese Tatsache lässt aus meiner Sicht dann doch die Frage zu, ob die Facebook-Nutzer einfach zu bequem sind, an einer Abstimmung teilzunehmen, die über eine Thematik entscheiden soll, die bereits im Vorfeld für solch starke (negative) Reaktionen gesorgt hatte und die somit für extrem kontroverse Diskussionen und Kritik gesorgt hatte.

Erst meckern wie wild, aber dann bloß keine Mühe?

Auch wenn es recht provokant klingt: Sind wirklich immer die anderen Schuld, wenn ein Ergebnis im Endeffekt anders endet, wie zuvor angenommen? Vor allem in diesem Fall zeigt sich aus meiner Sicht mal wieder, dass im Vorfeld vielerseits immer gerne und eifrig gemeckert wird, doch wenn es im Endeffekt darum geht, etwas zu ändern, sind die meisten User einfach zu bequem.

Diese Änderung betrifft 900 Millionen Nutzer weltweit und selbst wenn ein Abstimmungslink etwas „versteck“ wurde und dadurch schwer zu finden war, wäre es dann wirklich unmöglich gewesen, dieses „Versteck“ innerhalb eines Netzwerkes von fast einer Milliarde Nutzern zu verraten?

297.883 Nutzer stimmten bei dieser Abstimmung für die alten und damit gegen die neuen Richtlinien, was einer Quote von fast 87% der Wähler entspricht! Diese Abstimmung (gegen die neuen Richtlinien) ist ausschließlich daran gescheitert, dass so gut wie niemand teilgenommen hat und nicht etwa, weil Facebook so böse war, einen Abstimmungslink zu verstecken oder eine 30%-Hürde einzubauen.

Das muss bei aller Kritik an Facebook sowie besonders an dieser Abstimmung auch einmal klar und deutlich gesagt werden! Und in der heutigen Zeit bleibt im Internet nichts mehr „geheim“ und die kontroversen Diskussionen darüber traten doch erst deshalb auf, eben weil die entscheidenden Inhalte dieser Richtlinien bekannt wurden und es jeder auf den unterschiedlichsten Portalen lesen konnte. Auch der Direkt-Link zur Abstimmung konnte überall veröffentlicht werden.

Dies Aspekte also als „hinterhältige“ Hürden und Gründe für das Scheitern herzunehmen, ist dann doch sehr weit hergeholt. Denn sowohl die Inhalte selbst (Stichwort „niemand liest das“), als auch der Abstimmungslink konnten „ergoogelt“ werden und waren bekannt.

Denn hätten aufgrund der letztlichen Ergebnisse „nur“ 34% aller Facebook-Nutzer teilgenommen, wären die neuen Richtlinien demnach nicht eingeführt worden und die Nutzer hätten ihr Ziel erreicht, was letztlich zu einer weiteren Frage führt:

Sind den meisten Nutzern die neuen Richtlinien schlicht völlig egal?

Im Endeffekt kann man sich auch die Frage stellen, ob die neuen Richtlinien den meisten Nutzern einfach völlig egal sind und waren und deshalb auch kaum jemand die Notwendigkeit sah, sich an einer Abstimmung zu beteiligen.

In diesem Fall muss man natürlich sagen, dass auch das jedermanns eigenes und gutes Recht ist. Meiner Meinung nach dürfen sich jetzt diejenigen keinesfalls „beschweren“, die zuvor vehement gegen die neuen Richtlinien waren, aber dann letztlich nicht abgestimmt hatten, als sie die Möglichkeit dazu hatten.

Fazit:

Aus meiner Sicht hat sich hier wieder einmal gezeigt, dass es Themen gibt, die sehr stark polarisieren und für heftige, teils sehr kontroverse Diskussionen sorgen können. Oftmals sind (scheinbar) sehr viele Menschen gegen etwas, doch wenn es dann darum geht, diese Gegenmeinung durchzusetzen, wenn die Möglichkeit dazu gegeben wird, dann wird die Forderung schnell zur Last und dann ist plötzlich ein Klick bei einer Abstimmung schon zu viel Arbeit…

Die Moral von der Geschicht‘:

Im Endeffekt entscheidet immer noch jeder User selbst, welche Daten er von und über sich preisgibt – und dann kann einem auch so ziemlich Schnuppe sein, ob die Nutzungsrichtlinien mal wieder angepasst werden, denn was nicht ist, kann auch nicht gespeichert und verarbeitet werden! Was sagen Sie dazu?


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