Geklonte Geschäftsideen - Gut kopiert ist halb gewonnenViele Menschen glauben, dass besonders bekannte und erfolgreiche Unternehmen auch tatsächlich die Vorreiter ihres Schaffens und somit ihrer Geschäftsidee seien – denn schließlich hat sie das groß gemacht.

Doch weit gefehlt: Viele dieser Unternehmen hatten überhaupt keine eigene Geschäftsidee, sondern hatten sich von bereits bestehenden Ideen einfach inspirieren lassen und haben diese perfektioniert – manche würden es schlichtweg kopieren nennen.

Oder glauben Sie, dass beispielsweise McDonalds die erste Fastfood-Kette war, die es gab? Es ist aber die wohl bekannteste weltweit… Wenn sich jemand an seinen Mitmenschen ein Beispiel nimmt oder deren Verhalten nachahmt, heißt es damals wie heute immer schnell „Nur Affen machen alles nach“ genauso wie „Würdest du auch von einer Brücke springen, wenn XY das macht oder es dir sagt?“

Kern dessen ist es einfach, dass das Nachmachen anderer bzw. das sich mit fremden Federn schmücken, als unethisch, moralisch verwerflich und schlichtweg schlecht angesehen wird. Doch gerade in der Geschäftswelt scheint es Gang und Gäbe zu sein, besonders erfolgreiche Geschäftsideen zu kopieren und das muss nicht zwangsläufig schlecht sein – im Gegenteil…

Ein gutes Beispiel dieser Vorgehensweise ist sicherlich u.a. die Film- und Fernsehen-Industrie: Hier ist es fast schon üblich, sich an bereits existierenden Ideen und Konzepten zu orientieren sowie diese zu „kopieren“. Sobald Sender X eine neues erfolgreiches Format bringt, dauert es meist nicht lange, bis Sender Y dieses Konzept ebenfalls bringt und es ggf. an seine Zielgruppe anpasst. Und dabei kann man davon ausgehen, dass die eigentliche Ursprungsidee auch bereits von Sender X irgendwo abgeschaut wurde…

Während man in Deutschland gerne von „Affen“ spricht, die anderen alles nachmachen, so ist im Englischen der Begriff „Copycat“ („kopierende Katzen“) gebräuchlich, der sich an Katzen-Babies orientiert, die instinktiv das Verhalten ihrer Mütter nachahmen.

Doch solche Copycats müssen nicht zwingend verwerflich sein und der Grund dafür ist einfach, dass man das Rad nicht immer unbedingt neu erfinden muss, um etwas Erfolgreiches aufzubauen. Das Entscheidende dabei ist einfach nur, wie man es macht und ob man es sogar schafft, einfach besser zu werden, wie das „Original“.

Nicht selten passiert es, dass Unternehmen X sich an der Geschäftsidee von Unternehmen Y orientiert, sie vielleicht auch kopiert, es dann aber viel besser macht und das „Original“ durch beispielsweise besseres Marketing, ein deutlicheres Alleistellungsmerkmal, gezieltere Kundenansprache usw. schlicht und einfach förmlich überrollt, bis Unternehmen X letztlich am Markt kaum noch eine große Rolle spielt.

Ein gutes und extrem bekanntes Beispiel ist hier Apple: Selbst die legendäre Bedienoberfläche der frühen Macs stammte nicht von Apple selber, sondern wurde maßgeblich durch das Palo Alto Research Center (PARC), einer Einrichtung des Herstellers Xerox, entwickelt. Und obwohl Apple später mit dem iPod weltweite Erfolge feiern konnte, ist der Konzern keineswegs der Erfinder des tragbaren MP3-Players.

Was sagt uns das? Es muss nicht immer die eigene Geschäftsidee oder die eigenen Produkte und Innovationen sein, sondern es kommt immer darauf an, was man selbst daraus macht und wie man es vermittelt. Bei Apple ist das heute zweifellos das geniale Marketing…

Doch auch hier gibt es natürlich andere – eher negative – Beispiele, wie etwa das Soziale Netzwerk „StudiVZ“, welches etwa ein Jahr nach Facebook online ging und dieses von der Grundidee her quasi kopiert hatte. Bis heute jedoch kann es Facebook bei Weitem nicht das Wasser reichen und zumindest laut Wikipedia, wird es Ende 2012 auch geschlossen werden.

Das zeigt u.a. auch, dass Copycats bei falscher Vorgehensweise auch zum Scheitern führen können, wenn man es nicht schafft, die Grundidee trotzdem mit etwas Innovation zu ergänzen bzw. diese einfach neu zu verkörpern.

Wo man Nachahmung sehr häufig erleben kann, ist die Modeindustrie: Wer kennt sie nicht, die typischen Marken-Plagiate bei T-Shirts, Schuhen, Uhren oder Hosen – die dann zu fast lächerlich kleinen Preisen verramscht werden. Auch beispielsweise China – so ehrlich muss man sein – bedient sich gerne an innovativen Ideen anderer Länder, setzt diese selbst um und schmückt sich quasi mit fremden Federn. Es gibt nicht Wenige, die genau darin eine große Gefahr im Hinblick auf die Wirtschaft anderer Nationen sehen.

Doch „gefährlich“ wird es meiner Meinung nach erst dann, wenn auch die Qualität dieser Copycats zunimmt… denn dann ist es dem Konsumenten letztlich völlig egal, wo die Ware herkommt oder wer die Idee hatte.

Grundsätzlich aber sind Copycats als anderes als moralisch verwerflich, denn man muss hier einen entscheidenden Unterschied klarmachen: Während klassische Plagiate in aller Regel dazu da sind, andere Menschen gezielt zu täuschen (beispielsweise bei abgeschriebenen Doktorarbeiten, Semesterarbeiten usw.), laufen sog. Copycats nicht Gefahr, eine Verwirrung zu verursachen.

Denn besonders am Beispiel Facebook und StudiVZ ist ganz sicher nicht davon auszugehen, dass Nutzer plötzlich glaubten, sich auf Facebook zu bewegen, wenn sie sich bei StudiVZ anmeldeten o.ä. – das Konzept als solches und dessen Ähnlichkeit zum Original jedoch war durchaus erkennbar, was den User dann aber eher weniger stört.

Warum also lange daran aufhalten, eine eigene Idee zu entwickeln, wenn es auch schneller geht. Die Frage wird hier eher sein: Bis zu welchem Punkt macht das „Kopieren“ einer Geschäftsidee für den Kopierenden selbst wirklich Sinn. Denn man muss je nach dem natürlich eigenes Know-How haben, denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn jemand etwas kopiert und nachweislich keine Ahnung davon hat. Dann wird es schnell zur berühmten Lachnummer und man erreicht genau das Gegenteil von dem, was man ursprünglich vor hatte.

Das Online-Magazin INTERNETHANDEL beschäftigt sich in seiner neuesten Ausgabe intensiv mit dem Thema „Copycats“ und beschreibt die Hintergründe sowie die Chancen und Risiken. Dabei stellt es bekannte wie auch weniger bekannte Copycats sowie deren Originale vor und stellt diese gegenüber.

Es geht dabei zudem der Frage nach, ob Copycats grundsätzlich moralisch unbedenklich sind und liefert durchaus gute Gründe, weshalb die Nachahmung ein lukratives Geschäftsprinzip sein kann. Weiter gibt es nützliche Tippe, wie man ein Copycat erkennt, wie man aus einem solchen eine „eigene“ Geschäftsidee entwickeln kann.

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