Interview mit Reiner BernhardtBacke, backe Kuchen, das Internet hat gerufen… oder so ähnlich: Heute freue ich mich, Ihnen mal wieder ein großes Interview präsentieren zu dürfen mit einem Menschen, der mal wieder zeigt, was im Internet möglich ist und wie man sein Hobby wunderbar zum Beruf machen kann beziehungsweise die Vorzüge des Internets dafür nutzt.

Er schildert darin aber auch beispielhaft, wie man aus Rückschlägen lernen kann, aus der Not eine Tugend macht und nach einem Tiefschlag wieder aufsteht, anstatt andere für das eigene Scheitern verantwortlich zu machen, die man dafür neidet und seiner Frustration dann freien Lauf lässt.

Die Rede ist von Reiner Bernhardt. Reiner ist Bäckermeister und musste Ende 2010 schmerzlich erfahren, wie man mit dem eigenen Geschäft auch scheitern kann. Statt die Fehler aber bei anderen zu suchen und fortan als „Don Quijote des Internets“ gegen „Windmühlen“ zu kämpfen, stand er auf, analysierte seine Fehler und wagte den Neustart.

Heute ist er dabei, sich einen ganz entscheidenden Kernwunsch vieler Menschen zu erfüllen: Selbstständige Arbeit, die Spaß macht und die aus seiner wahren Liebe besteht…

In einem sehr tiefgründigen und ehrlichen Interview stellte er sich allgemeinen Fragen zu seiner Person sowie seinem Business, beantwortete gezielte Fragen zur Vermarktung seiner Idee und stellt darin sein Konzept vor, mit dem er es geschafft hat, sich im Internet selbstständig zu machen.

Ich hoffe, dass Sie vor allem im Bezug auf Ideen, Marketing, Konzepte und Umsetzung sowie Motivation möglichst viel für sich und Ihr Business aus diesem Interview mitnehmen können und übergebe das Wort nun im Zuge der Antworten an Bäckermeister Reiner Bernhardt

Das Interview

Name: Reiner Bernhardt

Alter: Baujahr 1969 also, 43 Jahre jung/alt

Ihre Projekte: DVD Weihnachts-Backkurs und Gratis Backkurs

Kurzlebenslauf:

Am 15.Mai 1969 in Kaiserslautern geboren, Grund und Hauptschule und Kaufmännische Handelsschule besucht.

1986 – 1989 habe ich eine Lehre zum Bäcker gemach
1989 – 1994 war ich um Erfahrungen zu sammeln in ganz Deutschland auf der Walz
1995 habe ich erfolgreich meine Bäcker-Meisterprüfung in Mannheim abgelegt
2005 folgte noch die Prüfung zum Betriebswirt des Handwerks in Kaiserslautern
2009 habe ich dann die Brot-Backstube gegründet (eine kleine Handwerksbäckerei)

2011 Die Idee mein Geschäft ins Internet zu legen (mit Backkursen)

1. Wie sind Sie allgemein zum Internet-Business gekommen?

Zu meinem Internet-Business bin ich eigentlich durch meinen größten Fehler gekommen. Die Brot-Backstube ist Mitte 2009 mit einem ganz eigenen Konzept gestartet, was vor allem die 4 größten Probleme der selbstständigen Bäcker gelöst hat:

  1. zu hoher Material Einsatz/Kosten (durch Fertigmischungen und Convenience-Produkte)
  2. zu große Produktbreite, die subventioniert sind
  3. Überproduktion bzw. zu hohe Retourenquote (18 % und mehr, sind schon fast normal)
  4. Die Kosten im Verkauf z.B. nachmittags höhere Lohnkosten/Betriebskosten als Umsatz

Meine Lösung: Nur natürlich hergestellte Backwaren (11 Sorten Brot und 5 Sorten Brötchen) aber nicht jeden Tag und nicht alle Sorten. Nur vorbestellte Backwaren, die direkt zum Kunden nach Hause geliefert wurden.

So habe ich alle betriebswirtschaftlichen Kennzahlen auf den Kopf gestellt.

  1. Material-Einsatz fast halbiert
  2. keine subventionierten Warengruppen mehr
  3. Da alles vorbestellt war, eine Retouren Quote von fast 0
  4. Da meine Verkäufer umsatzbezogen bezahlt wurden, eine gute Kostenkontrolle

Durch die so gesparten Kosten war es ein leichtes die Mehrarbeit und den Lieferservice zu finanzieren.

Von 0 Kunden auf über 480 gelistete Kunden, die samstags bis zu 300 Bestellungen machten. So war ich auf dem richtigen Weg, eine kleine erfolgreiche Bäckerei zu werden. Durch meine immer größere Kundenzahl wurden immer mehr neue Produkte gefordert und auch rentabel bei der Herstellung, zumal ich alles herstellen kann.

Mitte 2010 der Umzug in größere Räume, bei der Übernahme der Bäckerei waren noch 2 ganz schwache Filialen dabei. Ich konnte nicht widerstehen und renovierte sie und bin von meinem guten Weg abgekommen.

2 Monate später hatte ich alle Probleme und Sorgen der Kollegen. Es ist zum Heulen, wenn man samstags 30 % seiner perfekten Produktion wegwerfen muss, weil keiner zum Kaufen kam. Jetzt war ich körperlich überfordert und habe dann auch Fehler gemacht, die ich in 20 Jahren als Bäcker nicht von mir kannte.

Nach 5 Monaten Filialgeschäft habe ich die Bäckerei geschlossen. Lieber eine Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Dann habe ich mir eine Woche Urlaub gegönnt, um einige Frage zu lösen:

  1. ganz von vorne anfangen mit meinem richtig guten Konzept (ohne Filialen)
  2. als Produktionsleiter wieder die Führung eines guten Betriebes zu übernehmen
  3. oder doch was anderes zu machen

In dieser Woche bin ich langsam zu meinem Internet Business gekommen.

2. Wie lange sind Sie schon im Internet tätig und welche Hürden hatten Sie dabei zu Beginn zu meistern?

Die Idee im Internet tätig zu sein, war Anfang 2011, wobei ich die ersten 6 Monate an der Idee immer wieder herumgebastelt habe. Seit Juli 2011 habe ich dann die Webseite „natürlich-selbst-gebacken.de“ mit dem Gratis-Backkurs am Start. Von hier an stand fest, ich will Backkurse geben/herstellen und über das Internet verkaufen.

Die größten 3 Probleme waren:

  1. Die Technik und noch mal die Technik und ihre Programme. Dazu muss ich sagen, dass ich 2011 noch keine 10 E-Mails in meinem Leben geschrieben hatte, geschweige ein Adressbuch angelegt hatte. Den PC habe ich nur für eBay, den Börsenhandel und das Internetbanking benutzt. Ich kannte zwar „Tante Google“ hatte aber noch nie etwas mit ihr zu tun. Ich chatte nicht im Netz, spiele keine Spiele.Liebevoll nenne ich mich selbst „Technik Dino“ weil ich mich genau wie die Dinosaurier langsam und schwerfällig durchs Netz bewege, aber ich bin auf der Überholspur. :)
  2. Die Zeit! Damit meine ich die Einteilung des Tages. Ich habe nicht die klassischen Zeitfresser wie Computerspiele, Facebook, Twitter und Co. Aber auch ich leide unter der Internetkrankheit 13-15 Stunden am Tag beschäftigt zu sein, aber nichts geschafft zu haben.So lese ich z.B. morgens meine E-Mails und da ist auch wieder ein interessanter Artikel von Ihnen dabei. Das ist dann bei mir nicht mit lesen getan, zuerst muss „Tante Google“ (jetzt habe ich Sie gern) mir meine Fragen beantworten, dann besuche ich die Seiten (verschaffe mir selbst einen Überblick) lese noch ein paar Kommentare…Dann besuche ich oft auch noch deren Blog wenn sie sachliche Argumente hatten und eh ich mich versehen habe, bin ich wieder hungrig, weil es mittlerweile 14 Uhr ist und ich 5 Stunden hin und her gelesen habe.

    Im ersten Jahr hatte ich viel zu viele Newsletter, die ich wirklich gelesen habe. Ich finde alles spannend und kann doch jede Information irgendwie gebrauchen. Aber zum Schluss habe ich nicht immer richtig gelernt und vor allem nichts von meiner To-Do-Liste gemacht.

  3. Ich selbst bin das Problem, ich musste erst lernen und lerne noch auf so vielen Hochzeiten wirklich voran zu kommen. Ich habe zurzeit immer 3-4 Programme laufen wo man eigentlich 1 Monat intensiv dran arbeiten müsste, weil meine Lücken so groß waren.Meine Lösung zurzeit: Ich stelle mir wenn möglich 4 mal am Tag, einen Wecker mit 1 Stunde Zeit und versuche, ohne Ablenkung dann in einem Programm oder einem Problem richtig zu arbeiten.Das Zauberwort ist fokussiert Listen und Probleme abarbeiten. Das klappt zurzeit mal mehr mal weniger, weil ich oft die Zeit die ich brauche um eine Problem zu lösen nicht richtig einschätzen kann.

3. Was hat Sie dazu bewegt, sich gerade im Internet selbständig zu machen?

Das Internet war die Lösung auf meine Probleme aus der alten Selbständigkeit. Zum Schluss muss jeder Selbstständige etwas verkaufen oder anbieten. Und alle haben die gleichen Probleme. Beim Verkauf braucht man ein Geschäft (Mietkosten) um günstiger den Einkauf zu machen (größere Warenmenge), dann braucht man mehr Geschäfte, noch höhere Mietkosten, Toplagen kosten irre Geld, dann kommen Personalkosten/Probleme. Zum Schluss ist das Einzugsgebiet für Kunden zu klein.

In der Woche als ich Urlaub nahm, hatte ich „Tante Google“ 1.000 und mehr W-Fragen um die Ohren geworfen. Ich wollte keine Waren mehr herstellen, die obwohl perfekt gelungen, am nächsten Tag in der Mülltonne landen. Ich wollte ein Geschäft, das rund um die Uhr und vor allem von allen Kunden auch zur gleichen Zeit besucht werden kann.Die Lösung war klar: Ein Web-Shop musste her. Der erfüllte alle Anforderungen. Aber was dort verkaufen? Es musste ein Produkt mit einer großen Gewinnspanne sein, welches im Idealfall reproduzierbar ist.

Ich fand Ebook-Reseller-Lizenzen, aber nach 2 Tagen war klar, ich werde keine Geschichten erfinden, wie ich zum „Nicht Raucher wurde“ (ich habe nie geraucht) oder wie man besser mit Frauen flirtet usw.

Ich bringe mein Hobby, mein Beruf, meine große Leidenschaft das Backen ins Netz. Und als Meister hatte ich schon immer Spaß bei der Aus- und Weiterbildung.

4. Sie beschreiben sich unter anderem als „Gründer der Brot-Backstube“. Was ist das und was hat es damit auf sich? Ist es ein reines Web-Projekt oder ist diese „real“?

Ich habe der Brot-Backstube 2009 Leben eingehaucht als Bäckerei vom Namen über das Logo bis hin zu ihren Produkten. Und obwohl ich zurzeit keine Kuchen und Brote verkaufe, ist Sie doch „real“. Denn ich entwickle und verbessere hier meine Rezepte. Ich bin nach wie vor als Handwerksbetrieb in der Handwerksrolle angemeldet und könnte jeder Zeit die Produktion wieder starten.

2013 wird ihr dann wieder richtig Leben eingehaucht, weil ich dort dann auch Live-Backkurse gebe in den Räumen der Brot-Backstube. Dann schließt sich der Kreis meiner Geschäftsidee, wenn auch noch mein Internet Shop dazu kommt. Dort werde ich die Arbeitsgeräte und Backzutaten anbieten/verkaufen, die ich wirklich in den Kursen benutze.

5. Auf einem Ihrer Blogs, hat man die Möglichkeit, einen kostenlosen Videokurs anzufordern. Was erwartet den Leser in diesem Videokurs?

Ja, das ist richtig. Dort biete ich einen kostenlosen Video-Backkurs. Das ist meine Antwort darauf, ein „wertvolles überzeugendes“ Gratis-Produkt anzubieten, um meine möglichen Kunden von meinem Wissen zu überzeugen.

Nach der Anmeldung erkläre ich die Grundausrüstung zum Backen und zeige am ersten Tag, wie man Butterstreusel herstellt und backe einen Apfelstreuselkuchen vor. Am zweiten Tag gehe ich auf die Backbleche ein und zeige wie man einen Buttermürbeteig herstellt.

Damit backen wir dann den „unvergesslichen Käsekuchen“ und das ist ein Käsekuchen der nicht zu schlagen ist. Hier kann ein klasse Rezept nur gleich ziehen. Am dritten Tag backe ich einen etwas aufwendigeren Schokoladenkuchen mit „Nutella“. Und am vierten Tag gibt es noch eine Überraschung und die ausführlichen Rezepte, die Schritt für Schritt in Bildern erklärt sind.

Mit diesem großen Gratis-Backkurs bin ich 2011 etwas übers Ziel geschossen, da habe ich auch E-Mails bekommen wo Besucher geschrieben haben, das würde ich doch selber nicht glauben, dass das alles kostenlos ist. He he… :)

» Lesen Sie Teil 2 des großen Interviews mit Bäckermeister Reiner Bernhardt…

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